Kopf  Die Körpersprache unserer Pferde

 

Was will es mit seiner Körperhaltung sagen?

Hengst Als erstes gilt: Je aufrechter und größer ein Pferd dasteht, den Kopf sehr hoch trägt und seinen Schweif stolz von sich streckt, desto erregter ist es. Dasselbe gilt natürlich auch im umgekehrten Sinne: Ist es unterwürfig, müde oder gelangweilt, ist diese Körperanspannung nicht vorhanden und es wirkt beinahe kleiner.

Zudem gibt es noch 3 weitere Körpersignale: die Körpersperre, den Schulterrempler und das Hinterhandpräsentieren.
Die Körpersperre wird meist nur von dominanten Tieren angewandt und stellt eine Drohung dar: "Bis hierher und nicht weiter". Das drohende Tier stellt sich quer vor ein anderes und sperrt ihm somit den Weg ab. Dieses kann nun entscheiden zur Seite zu gehen und auszuweichen oder seinen Willen durchsetzen. 
Der Schulterrempler ist eine gesteigerte Form der Körpersperre. Es kommt zum direkten Körperkontakt, denn das drohende Tier läuft direkt in das Andere hinein und versucht es so noch mehr einzuschüchtern. 
Diese beiden Formen der Körpersprache lässt sich auch von uns Menschen den Pferden gegenüber leicht anwenden und wird von diesen auch immer verstanden. Wenn Du Dein Pferd führst und es will Dich immer wieder überholen, remple es doch einmal mit Deiner Schulter fest an, Du wirst sehen es weicht sofort zurück und wird Dich einigermaßen verblüfft ansehen.
Das Hinterhandpräsentieren ist eine zurückhaltendere Drohung, die besagt: "Laß mich in Ruhe, sonst trete ich Dir eine". 

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Was signalisiert es mit seinen Beinen?

Bodenscharren hat bei frei lebenden Pferden mit der Futtersuche und dem Untersuchen der Bodenbeschaffenheit zu tun - bei der heutigen Haltung unserer Pferde in Boxen, ist es eher das Frustrationszeichen eines in seiner Bewegung behinderten Tieres.

Das Vorderbeinheben ist eine Drohgebärde, die meist Hengste im Kampf anwenden.

Beinstampfen kann sowohl mit einem Hinterbein als auch mit einem Vorderbein ausgeführt werden, besagt einen Protest und rät zur Vorsicht. 
Dieses Beinstampf-Signal lässt sich auch von uns Menschen leicht anwenden: Mir passierte es vor einiger Zeit immer wieder, dass ich Probleme mit dem Koppelkollegen meines Pferdes hatte. Ihn abzuwehren, wenn ich mein Pferd raus holen wollte, war ziemlich schwierig. Dann las ich von diesem Beinstampfen und versuchte es das nächste Mal ganz einfach - und siehe da, ich stampfte mehrmals hintereinander sehr energisch mit einem Bein auf und er trat zurück und schaute mich mit großen Augen an, kam aber nicht mehr näher. 

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Was zeigt uns seine Schweifstellung?

Je höher der Schweif getragen wird, um so mehr Wachsamkeit, Aktivität und Tatendrang stecken in dem Tier und je schlaffer er herunter hängt, zeigt es uns Müdigkeit, Erschöpfung, Angst oder auch Schmerz. 

Es senkt seinen Schweif aber auch bewusst, um einem anderen Pferd zu sagen, dass es müde und/oder schwach sei und den Anderen als den Stärkeren anerkennt. Bei besonders großer Angst klemmt es seinen Schweif, fast hundeähnlich, zwischen die Beine.

Neben den Auf- und Abwärtsbewegungen, bei denen der Schweif als "Fliegenscheuche" dient, gibt es auch noch die ruckartigen, nach oben, unten und auch seitwärts, schlagenden Bewegungen eines ängstlichen, verkrampften oder äußerst unruhigen Tieres. Ist ein Pferd sehr wütend, kann dieses seitliche Peitschen so stark sein, dass es Verletzungen hervorrufen kann, wenn man getroffen wird. 

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Welche Bedeutung hat die Haltung seines Halses?

Fühlt sich ein Pferd durch ein Verhalten seiner Artgenossen (oder auch Menschen) beeinträchtigt oder irritiert, drückt es seinen Frust durch Kopfschütteln, als wolle es lästige Fliegen abwehren, aus.

Bewegt es seinen Kopf vorwärts - etwa wie stupsen - will es auf sich aufmerksam machen. Meist bedeutet es: "He, ich bin auch noch da", es kann aber auch versuchen Unwohlsein oder Schmerz mitzuteilen. 

Wenn es seinen Kopf demonstrativ von Etwas wegdreht, will es dieser Sache auch aus dem Weg gehen. 

Das Kopfschlängeln eines Hengstes ist eine Drohgebärde gegen seine Stutenherde, die dann auch sofort wissen, was er von ihnen will.

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Was signalisiert uns sein Gesichtsausdruck?

Viele werden schon das Maulschnappen bei Fohlen gesehen haben. Es öffnet sein Mäulchen, zieht die Lippen zurück, zeigt seine Zähnchen und macht die Kinnbacken auf und zu. Es will damit sagen: "Bitte tu mir nichts, ich bin noch so klein". Dies setzt es großen oder fremden Pferden gegenüber ein. Meist ab dem dritten Lebensjahr hört dieses Maulschnappen dann auf. 

Bleckt allerdings ein erwachsenes Pferd seine Zähne, bei fest aufeinander gepressten Kiefer, dann signalisiert es eine Biss-Drohung. Aggressiv, aber in gemilderter Form, gemeint ist die Lippen fest aneinander zu pressen; allerdings können auch Schmerzen ein festes Lippenaneinanderpressen hervorrufen. Ein entspanntes Pferd lässt die meist die Unterlippe schlaff herunterhängen.

Rümpfen Pferde die Nüstern, drücken sie damit Ekel und Abscheu aus, bei Erregung bzw. Anspannung blähen sie sie auf.

Steht ein Pferd unter starker Erschöpfung oder Schmerzen sind die Augen geschlossen, weit aufgerissen hingegen bei Furcht und Schrecken. Sieht man bei einem Pferd das Weiße in den Augen könnte (muss aber nicht) Aggression mit im Spiel sein.

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Welche Signale geben uns seine Ohren?

Die Ohren eines Pferde sind wie Radarantennen und steht kaum still. Sie bewegen sich ununterbrochen, um die leisesten Geräusche zu erfassen. Für die wildlebenden Vorfahren unserer Freunde, war die einzige Möglichkeit zu überleben jede Gefahr sofort zu erkennen und schneller zu sein, als das Raubtier.  Ohrenstellung

Da die Ohrenstellung auch die Gemütsverfassung der Pferde ausdrücken, wissen Artgenossen sofort welche Laune der Kumpel heute hat. Wir Menschen sollten uns auch ein bisschen intensiver damit beschäftigen, um besser mit unseren Freunden umgehen zu können.

Hält das Pferd seine Ohren in Grundstellung, sind sie ohne Anspannung aufgerichtet und die Ohrmuscheln weisen nach vorne und nach außen. Mit dieser Stellung deckt es seine Umgebung am besten ab, den es hört alles was von vorne und seitlich an Geräuschen vor sich geht. 

Nimmt es ein ungewohntes Geräusch wahr, dreht es sofort beide Ohren in diese Richtung und ist dieses Geräusch auch noch beunruhigend dreht es auch seinen Kopf - oder auch seinen ganzen Körper - in diese Richtung. 

Werden die Ohren entspannt seitwärts fallen gelassen und Ohrmuscheln zeigen zur Erde, ist das typisch für ein müdes, teilnahmsloses Tier. Diese Ohrenstellung wird auch eingenommen, wenn in Rangordnungskämpfen Unterlegenheit ausgedrückt werden soll. Der andere weiß dann, er ist der Stärke und gibt (meist) Ruhe. 

Lässt ein gerittenes Pferd seine Ohren schlaff nach seitlich-rückwärts fallen und die Ohrmuscheln zum Reiter gerichtet, zeigt das Tier Angst vor diesem und unterwirft sich somit.

Diese Ohrenstellung sieht man auch bei Stuten, denen sich ein sehr dominanter Hengst nähert.

Drückt ein Pferd starken Unwillen aus, legt es die Ohren rückwärts flach an seinen Kopf. Man nimmt auch an, dass wir Menschen "ohrlos", also aggressiv, auf Pferde wirken und was es auch unternimmt, wir ändern unsere Ohrenstellung nie. 

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Wie gut hören Pferde?

Um vieles besser, feiner und schärfer als wir Menschen. Nur ganz kurz zur Veranschaulichung: Untersuchungen ergaben, dass Pferde bis zu 25.000 Hertz Töne hören können, wir Menschen erreichen unser Limit bei etwa 20.000 Hertz und mit zunehmenden Alter kann es bis auf 12.000 Hertz sinken.

Die Ohren werden von 16 Muskeln gesteuert und jedes kann sich um bis zu 180 Grad drehen, wodurch eine überaus präzise Geräuschortung möglich ist.

Was wir als lästigen Lärm registrieren, muss für Pferde schon in Richtung unerträglich gehen und besonders laute Umgebungen lässt viele Tiere auch überempfindlich und reizbar reagieren. 

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Wie riechen Pferde?
Der Geruchssinn spielt bei unseren Pferden eine gar nicht so kleine Rolle. Man kann immer wieder beobachten, dass Pferde, die sich zum ersten Mal begegnen, sorgfältig beriechen und Nase an Nase gedrückt registrieren sie den Atem des anderen sozusagen wie eine Visitenkarte. Man erzählt, dass der Beduine seinen Atem dem Araber in die Nase bläst, um von ihm immer wieder als sein Herr erkannt zu werden. 

Fremder Mist wird auch gerne und sehr intensiv berochen, um zu erfahren wer vorher hier war und ob es ein Bekannter oder Fremder war. Pferde können auch Wasser riechen und finden nach dem Geruch sogar den Heimweg. Ebenso wird hauptsächlich nach dem Geruch das Futter ausgewählt. Und Stuten erkennen ihre Fohlen ebenfalls am Geruch. 
Ortet der pferdische Geruchssinn einen für ihn merkwürdigen Geruch beginnt es zu flehmen.

Es macht einen tiefen Atemzug hebt den Kopf, rollt die Oberlippe hoch und bringt somit die duftbeladene Luft an das Jakobsonsche Organ, um dort diesen bestimmten Geruch zu analysieren. Meist sieht man es bei Hengsten die eine rossige Stute riechen.

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Schmecken Pferde auch?

Sie haben einen sehr sensiblen Gaumen und kennen süß, salzig, sauer und bitter. Bitteres Futter wird in der Regel meist schnell wieder ausgespuckt. Wobei sie allerdings diese Geschmacksrichtungen doch ein wenig anders empfinden als wir. Denn manches, dass wir schon als gänzlich bitter empfinden, verspeisen sie noch mit Genuss. Von Natur aus lieben sie jedoch süßschmeckende Nahrung und Früchte.

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Wie gut sehen Pferde?

Sichtfeld eines Pferdes Dadurch, dass die großen Augen seitlich am Kopf sitzen, ermöglichen sie dem Tier einen fast totale Rundumsicht mit einem Blickfeld zwischen 340 bis 360 Grad. Es gibt nur eine "blinde" Zone direkt hinter ihm und eine - in einem Bereich von ca. 1,80 bis 2 m vor seinem Kopf. 

Oft ist zu beobachten, dass Pferde im Sprungparcours gelegentlich in ein Hindernis direkt hineinrennen. Da es eben direkt vor sich nichts sieht, muss es aus dem Gedächtnis springen und wenn es dann im entscheidenden Moment abgelenkt oder seinem Reiter gestört wird, kann derartiges schon passieren. 

Ebenso durch die seitliche Anbringung der Augen, kann ein Pferd nicht binocular, d.h. dreidimensional wie wir Menschen, sehen, sondern nur flach - so wie wenn wir ein Auge schließen.

Lange Zeit wusste man nicht, ob Pferde Farben sehen oder nicht. Inzwischen ist man der Meinung, dass sie sehr wohl farbig sehen, jedoch nicht so ausgeprägt wie wir Menschen. Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass sie besonders auf Gelb, Grün und Blau reagieren und am wenigsten auf Rot. 

Bei starkem Lichteinfall verengen sich die Pupillen zu schmalen horizontalen Schlitzen. Im Gegensatz zu Katzenaugen, die sich vertikal verengen und unseren Menschenaugen, deren kreisrunde Pupillen sich zu einen kleinen schwarzen Punkt zusammen ziehen.


An dieser Stelle möchten wir uns recht herzlich bei Monika bedanken, welche uns diesen tollen Beitrag zugesendet hat, zu welchem wir noch die Bilder hinzugefügt haben.

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